Lyrik

Träume

Heute Nacht, da träumte ich,
Ich ging mit mir spazier’n;
Mit dem Ich, das ich gern wär,
Trägt Anzug, hat Manier’n.

„Bist, was ich mal werden wollt’“,
So sagte ich zu ihm.
„Was du anfasst, wird zu Gold,
du führst ein großes Team.

Über dir sitzt keiner mehr.
Du hast ‘ne große Yacht.
Hast drei Autos vor dem Haus,
Zwei Frauen jede Nacht.

Es gibt nichts, woran’s dir fehlt.
Besitzt selbst einen Stern!
Alle schauen zu dir auf.
Solch Leben hätt ich gern.“

Das Ich sah mich verwundert an
Und sagte nur dazu:
„Wüsst’ gern, wie man so dumm sein kann.
Ich wollte, ich wär’ du.“

(Niklas Drude, 2010)

Wandel

Was ist, ist nicht, was war.
Wann war ich letztmals hier?
Was war, ist nicht mehr wahr.
Und was ich seh, verschließt sich mir.

Die Türen stehen offen
Die Fenster sind zerschlagen
Und wohl von einem Blitz getroffen,
Hör ich den Dachstuhl klagen.

Wo frühler mal mein Bettchen stand,
In jener staubbedeckten Ecke,
Da kleben Weben an der Wand.
Und an der Decke eine Schnecke.

Das Bild, das ich im Herzen trag
Vom Haus und auch von dir,
Von einem jeden schönen Tag,
Wird Sehnsucht und Delir.

Wie oft wir wohl im Grase lagen?
Dort drüben bei den klaaren Seen.
Wo hat es dich bloß hin verschlagen?
Werd ich dich jemals wiedersehen?

(Niklas Drude, 2010)

Lebenskonzept

So mancher strebt nach Ruhm und Glück.
Fast jeder scheitert, bleibt zurück.
Auch ich hab täglich mich geschunden.
Tagein, tagaus mich überwunden.

And’re machen sich nicht viel
Aus Zukunft und aus hohem Ziel.
Während unsereins sich hetzt,
Leben sie im Hier und Jetzt.

Spaß und Freude sind Maxime.
Freunde sehen, trinken gehen.
Wer hat seine Zeit verschwendet?
– Der, der strebte; der, der lebte?

Werd‘ meine Pläne überdenken
Und dem Leben Leben schenken.
Denn im Frönen und Sich-Laben
Ist’s einfacher, Erfolg zu haben.

(Niklas Drude, 2013)

 

Weiter

Ich fühle nicht.
Ich lebe.
Ich atme nicht.
Ich lebe.

Ich denke nicht.
Ich lebe.
Beweg mich nicht.
Ich lebe.

Zwar werde ich zerfressen,
Doch bin ich nicht vergessen.
Ich lebe.

Solang der Samen treibt,
Noch etwas von mir bleibt,
Leb ich.

(Niklas Drude, 2010)

Die Schneeflocke

Du Stern, der du vom Himmel schwebst,
Wie sanft ist dein Gemüt.
Wie schön du meine Welt belebst,
Sooft dein Schein erglüht.

Noch zögerst du, doch kannst du nicht
Dich gänzlich von ihr wenden.
Noch zögerst du, umarmt vom Licht,
Dein Schicksal zu vollenden.

Doch die Entscheidung ist gefällt.
Verlust ist oft Gewinn.
Wie zärtlich küsst du meine Welt
Und schmilzt im Kuss dahin.

(Niklas Drude, 2009)

So nett!

Das Ding als gut, den Geist für dumm
– so verkaufen wir die Welt –
Viel verschweigend, doch nie stumm.
Euphemismus bringt viel Geld.

Verrecke der, der da noch schreit
Nach seinen höh’ren Werten,
Denn Wahrheit und auch Ehrlichkeit
Kann man nicht verwerten.

Die Welt ist voller schlechter Sachen.
Was soll man denn da noch erreichen?
– Das Gute besser sichtbar machen.

Und es muss das Schlechte weichen.
Aus Krähen können wir nicht Schwäne machen,
Doch wir können sie weiß anstreichen.

(Niklas Drude, 2009)

 

Triumph

Ich will nicht tragen. Ich bin träge.
Trag’ die Bürde, wer’s begehr.
Trag’ er sie in vollen Trögen.
Ich ertrage sie nicht mehr.

Die Sinne mir hiervon zu trennen,
schlage ich die Augen zu.
Doch Trauma träumt den Traum der Alben,
Trauma lässt mich nicht in Ruh’.

Treue Truppen trägt der Gräber.
Anfangs gräbt er Grab um Grab.
Später nur noch eine Grube,
auf dass sich der Beelze lab.

Nike trommelt auf den Trümmern
Einsam in dem toten Raum.
Traurig triumphiert die Tragik.
Eine Träne tränkt den Traum.

(Niklas Drude, 2009)

Schulden

Es war einmal ein Nichts.

Das war zwar nicht gut,
doch war’s auch nicht schlecht.
Denn so ein Nichts
existiert nicht so recht.

Dann kam ein Mann
Und begann es zu melken.
Nichts kann sich nicht wehren
Und musste verwelken.

Nichts ist schön wenig,
ist leichten Gewichts.
Doch noch weniger ist
Ein gemolkenes Nichts.

Doch wird ein Nichts kleiner,
wird’s furchtbar schwer.
Der Mann kann’s nicht tragen,
wünscht’s Nichts wieder her.

(Niklas Drude, 2009)

 

Darwin im Wunderland

Ich find das Heute sonderbar.
Kaum ist man hundert Jahre tot,
Schon ist nichts mehr so, wie es war.
Der Menschen Hobby ist nun Not.

Es gibt zu viele Menschen,
Die Menschheit lebt sich krank.
Es lebt, was längst vergehen sollt.
Der Medizin sei Dank!

Der Mensch, er hasst die Selektion.
Zum Überleben fehlt ihm Kraft.
Er präferriert Devolution
Und nennt’s soziale Marktwirtschaft.

Ach, was seid ihr doch sozial!
Ihr züchtet euch die Unterschicht.
Dazu verpflichtet euch Moral,
Doch die Natur verpflichtet nicht?

Zum Glück gibt es da noch den Krieg.
Es ist egal, wer ihn verliert.
Denn was zählt, ist nicht der Sieg,
Solang man Menschheit dezimiert.

Ein jedes Wesen braucht Ressourcen.
So entsteht die Konkurrenz.
Das Leben tickt nach Aktienkursen,
Natur beantragt Insolvenz.

Genug ist nicht für jeden da.
Man lebt den Lebensraum defekt.
Folgt hieraus denn nicht sonnenklar
Der Vorteil, wenn ein Teil verreckt?

Die Menschheit wird sich selbst zernichten.
Doch Dummheit ignoriert die Not.
Auf Menschheit kann man gut verzichten.
Was kümmert’s mich? Ich bin schon tot.

(Niklas Drude, 2009)

 

Wirklich wichtig.

Kalt und einsam wirkt das Tal.
Nur ein Hase fickt anal
Die Häsin rücklings ganz banal.

Den meisten ist’s extrem egal.
Es sei des Hasen freie Wahl,
Ob vaginal, oral, rektal.

Der Priester findet’s abnormal
Und predigt, es verstößt total
Gegen christliche Moral
Denn dieser Akt sei nicht sakral.

Doch für die Presse ist’s genial –
Die Bild erklärt es zum Skandal.
Und schon weiß es das ganze Tal:
Hase (13) fickt anal.

(Niklas Drude, 2009)

 

Lyrikwettbewerb

Man kann nur was gewinnen, wenn man mitmacht.
Man kann nur mitmachen, wenn man was schreibt.
Man kann nur was schreiben, wenn man dafür Zeit hat.
Ich habe keine Zeit.
Also kann ich nichts schreiben.
Also kann ich nicht mitmachen.
Also kann ich nicht gewinnen.
Schade.

(Niklas Drude, 2010)